Antonia Fehrenbach
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Erzählen bedeutet neue Erfahrungen machen.  

Das Projekt: Segeberger Erzählertreffen


Wer seine Lebensgeschichte oder Episoden daraus für Familie, Freunde und andere Menschen festhalten möchte, schreibt sie auf oder lässt seine Biografie erstellen. Inzwischen werden Städte-Biografien in Museen als Kunstwerke ausgestellt. Weshalb also nicht die „Biografie“ eines Projektes verfassen?

Der 21. Mai 2010 ist die Geburtsstunde des Segeberger Erzählertreffens.

Sie, liebe Leser und Leserinnen, sind online mit dabei, können hier erfahren, wie es weiter geht, denn hier sollen alle wichtigen Schritte chronologisch festgehalten werden. Aktuelles finden Sie ganz oben, für die Anfänge müssen Sie zurückblättern. Es steht Ihnen frei, sich mit Ideen, Vorschlägen, Tipps und Geschichten an seinem guten Gedeihen zu beteiligen. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail. Ihr Beitrag kann in Absprache mit Ihnen hier eingestellt werden.

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19. November 2012: Zugvogel und Blumenfrau

Am Freitag, den 23. November findet um 19:30 Uhr das nächste Treffen & Erzählen im Segeberger KulturHaus REMISE statt. Der Eintritt ist frei.


Uschi und Ronald lernten sich in Bad Segeberg bei der Ausbildung zum Seniorenbegleiter kennen. An ihrem letzten Arbeitstag las sie die Anzeige von Tandem, einem Projekt des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein. Die gelernte Bankkauffrau wusste sogleich: Da mache ich mit! Der Übergang vom Berufsleben zum Ehrenamt verlief für sie nahtlos.
Ganz anders bei Ronald, dem Pionier, der Zeit seines Lebens unterwegs gewesen ist. Erst lernte er Flugzeugbau in Hamburg, machte Tanzmusik, um sich sein Ingenieurstudium zu finanzieren und kaufte sich einen Zugvogel, auf dem er seinen Kindern das Segeln beibrachte. Dreißig Jahre lang begleitete er die rasante Entwicklung der Datenfernverarbeitung bei IBM in Böblingen, bis ihm sein Traumjob angeboten wurde ... .
"Was würdest du tun, wenn du noch einmal auf diese Welt kommen könntest?" fragt er.
"Dann mache ich einen Blumenladen auf oder ein Café", sagt sie. "Ich würde früher anfangen, wärmerzu leben, so wie jetzt. Dazu fällt mir eine Geschichte ein. ... "
Wir lauschen einem Gespräch unter Freunden.

22. Februar 2012: Ganz ohne Spickzettel

von Stefanie Winter

Liebe Antonia

dein behutsames Fragen und deine Neugierde in der Vorbereitung auf das Erzählertreffen haben mich dazu eingeladen, dem Bedeutung zu schenken, was in mir an Erinnerungen, Geschichten und Gedanken zum Thema „Clownsein, Clownwerden“ und „Als Clown im Hospiz“ hochkam - und das war eine Menge (was ich vorher nicht wusste). Durch die Gespräche wurde mir klar, warum ich den Clown so liebe und wie lange er – teilweise „under cover“ oder unter anderem Namen - schon in mir lebte.
So fühlte ich mich gut vorbereitet auf das Erzählertreffen - was mich natürlich nicht hinderte, kurz vorher nervös in meinen Unterlagen zu blättern... Das hätte ich mir natürlich schenken können. Denn vieles erzählte ich, erzählten wir noch einmal ganz neu und es stiegen plötzlich noch ganz andere Geschichten in mir auf als die, die auf dem „Spickzettel“ standen. Ich wusste vorher nicht, dass mir Erzählen vor Publikum so Spaß machen kann! Und mit der Zeit ging es so leicht – und ich musste mich gar nicht verstellen. Womit wir wieder bei meiner Liebe zum Clown wären, der sich ja auch nicht verstellt.

Meine Freude und Leichtigkeit, die ich an dem Abend erleben konnte, führe ich ganz besonders darauf zurück, dass da Menschen zugehört haben und „mitgegangen“ sind. Ich habe in lachende, in nachdenkliche Gesichter geschaut, habe Kopfnicken gesehen - und das hat mich ermutigt, den Erzählfaden weiterzuspinnen. Ich habe gemerkt, dass Zuhören genauso wichtig ist wie Erzählen, vielleicht kommt das Erzählen auch aus dem Zuhören, beide sind jedenfalls Geschwister! A propos Geschwister: Da fällt mir ein, dass ich meinem Bruder früher sonntags vor dem Aufstehen Geschichten von Lotte und Motte erzählt habe, zwei Motten, die in der Tasche eines alten Wintermantels wohnten, und jeder Tag brachte ein neues Abenteuer...Übrigens gings damals auch wunderbar ohne Spickzettel.

Ich danke allen Beteiligten für den schönen Abend, besonders dir, Antonia, und Edda, der freundlichen Gastgeberin. Auch mein Hund hat sich übrigens bei euch wohl gefühlt, obwohl er keinen Ton gesagt und auch nicht wirklich zugehört hat...


Stefanie

22. Februar 2012: Im Sterben im Leben stehen

von Elke Draws

Liebe Antonia,

ich möchte Dir noch sagen, dass es auch für uns ein Geschenk war, viele Geschichten von Nellie und Lula im Hospiz erzählt haben zu dürfen. Denn sie gehören der Welt erzählt, weil es sehr besondere Momente mit Menschen an ihrem Lebensende sind.
Und ich habe für mich herausgefunden, dass Menschen am Lebensende und Clowns die im Leben stehen, sehr gut zusammen passen, weil beide authentisch sind, pur in ihren Gefühlen oder aber zur Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit finden können, wenn sie das wollen.
Diese Erkenntnis ist mir durch die Vor- und Nach Arbeit für das Erzählertreffen mit meinem Weg zum Clown und dem Clownsein gekommen.

Elke


Was Sterbende am meisten bedauern: „The Top Five Regrets of the Dying“ von Bronnie Ware

Die Krankenschwester arbeitete mehrere Jahre in Hospizen und begleitete Menschen während der letzten drei Lebensmonate. Sie sprach mit ihnen über das, was sie rückblickend in ihrem Leben am meisten bedauerten.

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, ein ehrliches Leben nach meinen eigenen Maßstäben zu leben und nicht das Leben, das andere von mir erwarteten.
2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Empfindungen zu äußern.
4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden im Kontakt geblieben.
5. Ich wünschte, ich hätte es mir gestattet, fröhlicher zu leben.

Siehe auch http://hpd.de/node/12831

Elke schreibt:
Die Top 5 sind für mich alles Gründe, Clown zu werden, denn als Clown macht man das meiste davon ... .

17. Februar 2012: Rundum stimmig

Draußen war es bitter kalt. Dicke Schneeflocken fielen vom Nachthimmel und mit ihnen schneiten die Gäste herein. Sie hatten die Lichter in den Fenstern der Bismarckallee 5 gesehen, traten sich den Schnee von den Stiefeln, klopften die Kälte aus Jacken und Mänteln. Der Holzdielenboden der alten Villa knarrte gemütlich beim Eintreten, Brillengläser beschlugen und es roch nach kuscheliger Wärme und einem stimmungsvollen Abend. Weiße Tischdecken, Windlichter, ein paar Gläser, eine Handvoll Salzstangen hier und dort … . Edda hatte wieder einmal gezaubert und den Räumen der Villa Flath Atmosphäre eingehaucht. Der Charme des Privaten des ehemaligen Wohnhauses gefiel sich in der für ein Kulturhaus eigenen Aufgeschlossenheit wie eine Einladung zu einem „Open House“. Was wünschte man sich mehr für einen Abend, an dem erzählt und gelauscht werden durfte?

Ich war gespannt, wie es werden würde, aber nicht nervös. Eher verspürte ich eine freudige Erwartung auf eine „Inszenierung“, der viel Spielraum gelassen war. Wir hatten besprochen, wie wir anfangen und enden wollten, alles Weitere würde sich ergeben. Elke und Stefanie hatten mir im Vorfeld viel von ihren Erlebnissen als Clowns erzählt und wir vertrauten auf ihren großen Fundus an Anekdoten, der sie schon durch den Abend tragen würde. Tatsächlich entwickelten sich ihre Geschichten beim Erzählen so spontan, lebendig und frisch, witzig und tiefsinnig, eben weil nichts einstudiert, sondern in unseren Vorgesprächen lediglich angestoßen, erinnert, bewusst gemacht worden war. Besonders gefallen hat mir, dass die beiden nicht nur den Zuhörern, sondern auch einander erzählten. Diese Bezogenheit der Erzähler untereinander war mir bereits bei dem ersten Treffen, der Reise nach Ostafrika, sehr angenehm aufgefallen. Erzählen ist eben auch Beziehung (er)leben und es ist mir ein Anliegen, diesen Aspekt für künftige Treffen im Blick zu behalten. Für mich war es ein rundum stimmiger Abend. Ich danke allen, die daran mitgewirkt haben.

Antonia Fehrenbach




Ein Dankeschön auch an Svenja Krüger, die uns so treffend ins Bild gesetzt hat. ;-)

4. Januar 2012: Endlich geht es weiter


Am Freitag, den 3. Februar 2012 kommen Stefanie Winter und Elke Draws, um über ihre Wege zum Clown zu erzählen. "Clown sein, das ist Urlaub vom Ich", sagen sie. Aber wenn sie erzählen, dann werden die Augen groß, lacht das Herz, fliegen die Bälle und am Ende verwandeln sie sich vor unseren Augen in Nellie und Lula und spielen für uns. ... Wir freuen uns auf sie.

Weitere Informationen über das Duo Elke Draws & Stefanie Winter finden Sie unter www.clown-duett.de

8. März 2011: Haben Sie 20 Minuten Zeit?

... dann klicken Sie einmal auf die Seite "Biografie". Dort finden Sie eine Hörprobe von unserem Erzählertreffen "Eine Reise nach Ostafrika". Viel Spaß beim Lauschen ... .

8. März 2011: Aufgeschoben

Das nächste Erzählertreffen am 11. März 2011 muss leider ausfallen. Wir hoffen, die beiden Clowninnen bei der Forsetzung unseres Programms im Herbst als Gäste begrüßen zu dürfen.

4. Februar 2011: Zurück aus Ostafrika

E-Mail vom 31. Januar um 9:40

Liebe Edda,
vielen Dank für die großzügige und liebevolle Gestaltung unseres ersten Erzählabends. Für mich war es eine runde Veranstaltung, das Ambiente war dank deiner guten Ideen (die Speisen, die Trommler) und deiner Organisation wunderbar stimmig und ich habe mich sehr wohl gefühlt.

Auch unsere Erzähler konnten den Abend genießen. Ihre Erzählung verlief so flüssig, dass ich es einfach laufen lassen konnte. Die vorbereitenden Gespräche mit ihnen haben sich für mich damit als sinnvoll und wichtig erwiesen und ich werde auch für künftige Veranstaltungen an dieser Form der Einstimmung festhalten. Besonders gut gefiel mir wie sich die beiden die Bälle zuwarfen und die Erzählung dadurch immer wieder neue Wendungen bekam und vorangetrieben wurde. Obwohl sie mir im Vorfeld viel von ihrer gemeinsamen Reise berichtet hatten, habe ich an diesem Abend auch Geschichten gehört, die mir noch unbekannt waren.

Das Ganze lebte natürlich dadurch, dass die beiden sich sehr gut kennen. Diese Erfahrung hat mich davon überzeugt, dass in der Beziehung zweier Menschen zueinander ein großes erzählerisches Potential schlummert. Deshalb würde ich für kommende Abende diese Form, zwei einander vertraute Erzähler einzuladen, gerne beibehalten wollen, zumal ich denke, dass ein Laienerzähler mit einer ein- bis eineinhalbstündigen Darbietung überfordert ist – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Für das kommende Treffen mit den beiden „Clowns“ ist es ja wieder so vorgesehen. Ich freue mich schon darauf und melde mich in den nächsten Tagen, um die Planung mit dir abzustimmen.

Ganz herzlichen Dank für dein Engagement und die Unterstützung,
Antonia

E-Mail vom 2. Februar um 9:24

Liebe Antonia,

auch mir hat unser erster Erzählabend sehr gefallen. Juliane und Joachim haben ihre Geschichte professionell und auf eine sehr sympathische Art und Weise erzählt.
Ich habe dir in der Anlage einige Fotos beigefügt, die dich an unsere Premiere erinnern sollen.

Hast du bereits den Presseartikel in der SZ gelesen? Ich finde ihn sehr gut!
Ich freue mich auf das nächste "treffen und erzählen" und auf die weitere
Zusammenarbeit mit dir.

Herzliche Grüße
Edda


Von links nach rechts: Juliane Prinz, Edda Runge, Antonia Fehrenbach, Joachim Prinz

11. Januar 2011: Klug geschissen – Die Erste; Über die Musik des Wissens

Die Schrift ist eine Sache und das Wissen eine andere, schreibt Tierno Bokar, der Weise von Bandiagara (Mali). Und er führt aus: Die Schrift ist die Fotografie des Wissens, aber nicht das Wissen selbst.

Ich spinne seine Gedanken weiter: Wenn die Schrift die Fotografie des Wissen ist, dann ist das gesprochene Wort seine Musik. Wie diese berührt uns das Erzählte unmittelbar, und lässt eigene innere Bilder entstehen, die uns das Gefühl geben, zu verstehen. Es ist wie wenn wir ein Buch gelesen haben und danach die Verfilmung ansehen. Oft sind wir enttäuscht, weil uns das äußere Bild von unserem ursprünglichen tiefen Erleben entfernt, das wir als eine Erkenntnis, ein Wissen empfinden.

Das Wissen ist ein Licht, das sich im Menschen befindet, so Tierno Bokar. Es ist das Erbe von allem, was die Vorfahren erkennen konnten und uns im Keim übermittelt haben, ganz so wie der Affenbrotbaum, der im Samenkorn in all seiner Mächtigkeit enthalten ist.

Das Zitat ist dem Roman Jäger des Wortes von Amadou Hampâté Bâ entnommen.

12. Dezember 2010: Zwei Grashalme im Wind von Stefanie Winter

"When you play a violin piece, you are a storyteller, and you're telling a story."
Joshua Bell, Violinist


Dasselbe gilt für den Clown, schreibt Stefanie Winter. Solange er etwas zu erzählen hat, macht es auch Sinn. ...


„Deine Mama kommt nicht wieder nach Hause“.
Der Arzt sprach sehr leise, aber deutlich. Er schaute Carla dabei freundlich an, ein bisschen wie Herr May, wenn er sie in Deutsch drannahm. Und dann fing Papa an zu weinen und Mama sah schweigend aus dem Fenster und hielt Papas Hand. Carla hatte plötzlich Lust, die Wände hoch zu laufen. Aber stattdessen fragte sie ganz ruhig: „Kannst du uns sehen, wenn du im Himmel bist, Mama?“
Da weinte Papa noch mehr, Mama schloss erschöpft die Augen und der Arzt schaute Carla mitleidig an. Carla verstand nicht. Hieß das nein? Sie fühlte sich in diesem Zimmer so beengt, als würde ihr Bruder Hauke sie in den Schwitzkasten nehmen. Lautlos schlich sie hinaus. Sie lief den Gang entlang bis zur Glastür, dann das Treppenhaus hinunter, gelangte in ein anderes Treppenhaus, lief hinauf, hinab. Irgendwann hielt sie atemlos an.
Sie lauschte ihren eigenen Atemzügen. Ein – aus – ein – aus. Da hörte sie hinter sich noch jemanden atmen. Carla drehte sich um und traute ihren Augen nicht. Vor ihr stand eine merkwürdige Gestalt mit roter Mütze, einer roten Latzhose und einer roten Nase im Gesicht.
„Ich bin übrigens Nellie und du?“, sagte die Gestalt.
Carla sah Nellie groß an. „Carla... Äh, was machst du denn hier?“
„Ich atme“, sagte Nellie freudig. „Mach doch mit!“
Und Carla ließ sich von Nellies Freude am Atmen anstecken, holte mit jedem Atemzug tiefer Luft und dabei bewegte sich der ganze Körper hin und her und sie sahen aus wie Grashalme im Wind. Als sich ihre Blicke trafen, mussten sie lachen. Da fiel Carla ein, dass ihre Mama bald nicht mehr atmen würde und sie wurde traurig.
Nellie sah sie mit ihren funkelnden blauen Augen an. „Bist du traurig?“ Carla nickte stumm. „Wie traurig bist du denn?“, fragte Nellie neugierig.
Carla sah sie fragend an. „Ich bin so traurig“, seufzte Nellie und breitete dabei die Arme weit aus, um zu zeigen, wie traurig sie war. „Und du?“
„Ich bin so traurig.“ Carla musste mit nach oben gestreckten Armen in die Luft springen, um anzuzeigen, wie traurig sie war.
„Oh“, sagte Nellie, „das ist aber sehr traurig!“
„Bist du nun traurig oder fröhlich?“, fragte Carla.
„Och, das wechselt. Mal bin ich traurig, mal fröhlich“, antwortete Nellie. „Fühl mal!“ Nellie hielt ihre Hände so, als würde sie etwas darin verbergen. Sie öffnete sie leicht, so dass Carla mit den Fingern hineinfühlen konnte. Oh, wie weich das war, und ganz flauschig! Da sagte Nellie: „Die ist für dich!“
Carla nahm die kleine weiße Feder vorsichtig zwischen ihre Finger.
„Und wenn du sie fliegen lässt, kannst du dir was wünschen!“
Carla pustete die Zauberfeder in die Luft und folgte ihr mit den Blicken. Nellie summte eine kleine Melodie, die Carla von ganz früher kannte, als sie mit Mama noch abends gesungen hatte. Und dabei vergaß sie ganz und gar, sich etwas zu wünschen.
Stefanie Winter
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