Antonia Fehrenbach
Facebook:    Diese Seite teilen     Antonia Fehrenbach     Freunde der Feldmark von Schmalensee
Erzählen bedeutet neue Erfahrungen machen.  

Das Projekt: Segeberger Erzählertreffen


Wer seine Lebensgeschichte oder Episoden daraus für Familie, Freunde und andere Menschen festhalten möchte, schreibt sie auf oder lässt seine Biografie erstellen. Inzwischen werden Städte-Biografien in Museen als Kunstwerke ausgestellt. Weshalb also nicht die „Biografie“ eines Projektes verfassen?

Der 21. Mai 2010 ist die Geburtsstunde des Segeberger Erzählertreffens.

Sie, liebe Leser und Leserinnen, sind online mit dabei, können hier erfahren, wie es weiter geht, denn hier sollen alle wichtigen Schritte chronologisch festgehalten werden. Aktuelles finden Sie ganz oben, für die Anfänge müssen Sie zurückblättern. Es steht Ihnen frei, sich mit Ideen, Vorschlägen, Tipps und Geschichten an seinem guten Gedeihen zu beteiligen. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail. Ihr Beitrag kann in Absprache mit Ihnen hier eingestellt werden.

Zum Kontaktformular


28. Februar 2013: Sinnsuche



Liebe Antonia,

nun sind einige Tage ins Land gegangen und der Schnee im Schüttelglas hat sich so langsam gesetzt.
Ich hatte wohl mit einer seelischen Verarbeitungschance nach unserem Auftritt in der Remise gerechnet, aber nicht mit solchem Wintereinbruch.
Nun gut, wir haben mit diesem psychischen Aufruhr vielleicht auch den vagabundierenden Viren eine Angriffsfläche gegeben ...
Wie dem auch sei ... einerlei ... aber letztlich sehr gut in jedem Fall.

Dieses Erzählprojekt hat mich sofort fasziniert, als ich davon hörte.
Was für eine gute Idee!
Eine ganz andere Sache ist es natürlich, plötzlich selbst gefragt zu sein - oha!

Und wenn ich jetzt den Brief von Ronald Andress hier im Blog lese, trifft er genau in den Kern meines Erlebens ... vor, während und nach der Veranstaltung mit der Frage, wie weit ich gehen will?

Was möchte ich sagen, zum Ausdruck bringen? Was kann ich sagen ohne mich selbst in irgendeiner Form zu kränken ... Wo ist die Grenze? Was könnte diese Zuhörer interessieren. Warum kommen sie? Was macht hier Sinn?

Zwar haben wir uns ja vorher zweimal in großen Abständen getroffen und drauflospalavert, liebe Antonia. Eine Lockerungsübung mit Dir als aufmerksames Gegenüber, das uns leicht an die Hand genommen hat.

Aber was sage ich an dem Abend wirklich?

"Thomas, wieso sitzen wir jetzt hier?" ... Auch dieser Satz lag mir am Freitagabend auf der Bühne wieder einmal auf der Zunge. Und ich habe ihn nicht ausgesprochen, sondern plötzlich ganz genau gewusst: Dieser Luftballon ist hier jetzt angepiekt - die Luft will raus, restlos.

Es macht weder Sinn zu kokettieren, noch Ursachen und Folgen zu verschleiern.
Aber was will man seinem Publikum zumuten und wie gehen die Menschen mit der Situation um?
Unglaublich, was einem in Sekundenschnelle so durch den Kopf und Bauch gehen kann.
Eine tolle Selbsterfahrung.

Ich entschied mich für Ehrlichkeit, denn das volle Ausmaß menschlicher Schlittenfahrten und Höhenflüge kann doch nicht länger nach Wertigkeiten entweder schamvoll versteckt oder hochgejubelt gefeiert werden. Das ist doch kompletter Unsinn. Alle Erfahrungen gehören zum menschlichen Wachstum dazu.
Für mich war meine psychische Ausnahmesituation, dieses Ausrasten seinerzeit aus den normalen Bahnen ein Bewusstseinssprung, ein Erwachen.
Mein Erleben mit der Pflanzenwelt erstaunlich und im Nachhinein ... immer noch ... noch viel erstaunlicher!

Da gibt es eine Menge zu entdecken, was ich mit meinem Buch "GÄRTNERSEELEN - warum Dreck unter den Fingernägeln glücklich macht" bereits begonnen habe nach außen zu tragen. Anscheinend können wir die Pflanzen deutlich facettenreicher nutzen, als wir es bisher gewöhnt sind zu tun. Ich finde das sehr spannend und Dein Interesse am aktuellen Einsatz von Eisenkraut klasse. Probieren geht über studieren ... wir haben nichts zu verlieren! Ganz im Gegenteil - haben wohl unsere Vorfahren deutlich besser Bescheid gewusst! Wenn wir uns einmal klarmachen, wo wir mit unserer Ernährung gelandet sind, müssen wir doch eigentlich ... ja, was eigentlich?
Sind wir Menschen denn völlig irre geworden, eine verblödete Industriegesellschaft, die mit ihren „mülligen“ Ernährungsprodukten jeglichen Kontakt zu den Wurzeln zu verlieren droht?

Auch da machen uns die Wildpflanzen, unser gemeines Unkraut, das Angebot, den Körperhaushalt mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Auch davon hätte ich am Freitag gerne noch erzählt und Buchempfehlungen ausgesprochen.

Das mache ich jetzt hier: " ENZYKLOPÄDIE DER ESSBAREN WILDPFLANZEN" von Steffen Guido Fleischhauer. 1500 Planzen Mitteleuropas mit 400 Farbfotos. Toll!

Na, und dann das Buch von Christoph Quarch: " UND NIETZSCHE LACHTE". Wie man sich mit Platon verliebt, mit Sokrates gelassen wird und trotz Kant den Sinn des Lebens findet. Dieses Buch trifft genau den Kern meines Denkens über die sogenannten Tragödien des Daseins. Sie gehören genauso wie die Komödien wahrgenommen, gelebt und gefeiert. Die alten Griechen haben das mit ihren Göttern praktiziert ... haben die Sinnsuche in anderer Form als wir gelebt.

Aber dieses Erzählprojekt, was Du, liebe Antonia, ins Leben gerufen hast und was Segeberg hier mit Edda Runge in der Remise so stimmig ausgestaltet hat ... das knüpft an ... das hat was mit Sinnsuche zu tun.

Ich danke euch, dass wir dabei sein können.

Herzlich, Christiane.


weiter lesen...